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Streitschlichtung
Dort,
wo Menschen zusammenleben, gibt es Konflikte. Andersartigkeit,
Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche Bedürfnisse, andere
Reaktionsweisen und andersgeartete Zielsetzungen sind Gründe, dass es zu
Konflikten kommt. Das Austragen dieser Konflikte bezeichnet man als Streit.
Streit und Konflikte sind für viele Menschen etwas Unangenehmes, denn Wut, Ärger,
Enttäuschung und die Feststellung, dass die Spannungen und Streitigkeiten
nicht gelöst wurden, sind sehr häufig das Ergebnis derartiger
Auseinandersetzungen. Der neue Konflikt ist damit vorprogrammiert. Auch
zum Schulalltag gehören Konflikte und Streitigkeiten, sie gehören zum Leben
einfach dazu. Es kann also nicht um die Frage gehen, ob Konflikte und Streit
sein dürfen, sondern vielmehr darum, wie gestritten wird und wie es zu einer
Verständigung kommt. Streit-Schlichtung
durch Schüler heißt das Konzept, dass den Schülern helfen soll, eine
positive Streitkultur zu erlernen und dann zu praktizieren. Schulen, die mit
diesem Ansatz bereits Erfahrungen gesammelt haben, berichten durchweg von
einer positiven Bilanz. Streit-Schlichter erwerben soziale Kompetenz Ein
Jahr lang mit jeweils zwei Wochenstunden dauert die Ausbildung zum
Streit-Schlichter. Die Ausbildung läuft in zwei Phasen ab. In der ersten
Phase liegt der Schwerpunkt auf dem Erwerb sozialer Kompetenzen. Übungen zum
aktiven Zuhören, das Wahrnehmen von Körpersprache, die Auswirkungen
unterschiedlicher verbaler Äußerungen in einem Konflikt (Du-Botschaften,
Ich-Botschaften), das Wahrnehmen eigener und fremder Gefühle in den
unterschiedlichsten Situationen, bilden u. a. den Trainingsschwerpunkt. Dies
alles wird erprobt und erfahren im Rollenspiel, das in der gesamten Ausbildung
einen zentralen Stellenwert einnimmt. Mediation for kids _________________________________ In
Phase zwei liegt der Schwerpunkt auf der Durchführung der Mediation. Dies ist
ein Verfahren, in dem ein neutraler Vermittler den beiden Kontrahenten dazu
verhilft, eine eigene Lösung ihres Problems zu finden, mit dem beide Parteien
zufrieden sind. Beide Konfliktparteien gehen als Gewinner aus dem Konflikt
hervor. Dieses in den USA genannte Verfahren „Mediation for kids“ wird
dort bereits seit Jahren praktiziert. Mit Hilfe von Rollenspiel,
Filmbeispielen und selbst erstellten Videoaufzeichnungen wird die Durchführung
der Schlichtung (Mediation) immer wieder geübt und in der Gruppe einer
kritischen Betrachtungsweise unterzogen. Am Schluß der Ausbildung erhalten
die Schüler und Schülerinnen ein Zertifikat, das sie als Streit-Schlichter
ausweist.
Schüler
geben ihre Konflikte nicht mehr beim Lehrer ab _________________________________ Unsere
Streit-Schlichter werden in der Klasse 9 ausgebildet, so dass sie in der 10.
Klasse ihre Schlichtertätigkeit aufnehmen können. Das Konzept sieht vor,
dass vor allem Konflikte der Jahrgangsstufen 5 und 6 für die
Streit-Schlichtung in Frage kommen. Der Altersunterschied hat sich bewährt,
da ältere Schüler bei den Streithähnen anders akzeptiert werden als
gleichaltrige. Voraussetzung für eine erfolgreiche Schlichtung ist die
Vorbereitung der Unterstufe auf das Schlichtungsverfahren, ein ungestörter
Raum und viel Zeit, die ein Lehrer, der zur nächsten Unterrichtsstunde
hastet, in der Regel nicht hat. Ansonsten ist der Ablauf recht einfach: Zu
Beginn stellen sich die am Streit beteiligten Parteien und Schlichter vor. Die
Schlichter sichern absolute Neutralität und Vertraulichkeit zu. Die Streithähne
werden mit den Regeln vertraut gemacht, vor allem sich nicht einander zu
beschimpfen und sich ausreden zu lassen. Werden die Regeln akzeptiert, wird
das eigentliche Problem angegangen. Jeder trägt seine Sicht der Dinge vor.
Das geht häufig natürlich nicht ohne Emotionen ab. Die Schlichter werden auf
solche spannungsgeladenen Situationen im Rollenspiel systematisch vorbereitet.
Nun fasst der Schlichter das Vorgetragene zusammen und erkundigt sich nach den
Gründen und Gefühlen in dem Konflikt. Oft liegen die Ursachen des Streits
tiefer als der eigentliche Anlass vermuten lässt. Schuldzuweisungen werden
vermieden. Jeder überlegt, was er zu diesem Konflikt beigetragen hat. Eine
der Grundregeln der Schlichtung lautet: „Bekämpfe das Problem, nicht die
Person“. In der eigentlichen Schlichtungsphase notieren die Kontrahenten auf
einem Zettel, was sie von ihrem Gegenüber erwarten, um den Konflikt zu lösen
- und, ganz wichtig, was sie selber zur Lösung beitragen können. Der
Schlichter setzt einen Einigungsvertrag auf, den beide unterzeichnen. Die
Kinder haben den Konflikt selber beigelegt. Der Schlichter selber gibt keine Lösungsvorschläge.
Der Vertrag ist für beide Parteien ein Vorteil und es gibt keinen Sieger und
keinen Verlierer. Das ist sehr wichtig, da sonst der nächste Streit schon in
der Luft liegt, den Verlierer treiben Rachegelüste um, der Sieger möchte
seinen Sieg wiederholen. Die
Streitschlichtung hat ihre Grenzen _________________________________ Natürlich
ist die Streitschlichtung kein Allheilmittel gegen Gewalt und hat ihre
Grenzen. Bei Bandenkriege, Drogen, Gewalttaten, Waffen oder Mobbing versagt
die Schülerschlichtung. Günther Braun, ehemaliger Schulleiter und einer der
Initiatoren der Streitschlichtung sagt: „Wir sind keine verblendeten
Idealisten. Die Schülerschlichtung ist nur ein - nach unserer Erfahrung
lohnender - Weg, zahlreiche Konflikte friedlich beizulegen und gleichzeitig
die Persönlichkeit der Schüler zu entwickeln. |